16. April 2019
Tag 15 - 14. Etappe
29 km von Hontanas nach Boadilla del Camino.
Glücklicherweise war die Heizung über Nacht durchgelaufen, sodass unsere Schuhe heute morgen trocken waren. Unsere Notfallpläne von gestern abend kamen also zum Glück nicht zum Einsatz. Zu Beginn der heutigen Etappe war der Weg noch ein wenig matschig, da es anscheinend über Nacht nochmal geregnet hatte, aber er ging bald auf eine Straße über, sodass wir uns um den Matsch keine Sorgen mehr machen mussten.
Im ersten Ort nach 9 km, Castrojeriz, begaben wir uns in eine Bar, um zu frühstücken. Drinnen saßen schon Greta, eine Pilgerin aus Lithauen, und eine deutsche Pilgerin, die wir beide schon in der „Casa Paderborn” in Pamplona kennengelernt hatten. An einer Wand hing ein scheinbar selbst gemaltes Titelblatt zu „Tim und Struppi in Castrojeriz”.

Kurz nachdem wir wieder losgegangen waren, trafen wir Brian und machten uns gemeinsam an den Anstieg des einzigen Berges auf der heutigen Etappe. Mit 12% Steigung ging es schon steil den Berg hinauf, aber kurz hinter dem höchsten Punkt ging es schon wieder mit 18% Steigung den Berg hinab. Diesen Abstieg liefen wir im Zickzack hinunter, um unsere Knie nicht zu stark zu beanspruchen. Unten angekommen, holten wir eine kleine Gruppe von irischen Pilgerinnen ein. Mit einer von ihnen unterhielten wir uns und liefen eine Weile mit ihr zusammen bis zu einem kleinen Rastplatz.
Auf diesem Platz mit Bänken und Tischen saß eine große Gruppe von irischen Pilgern, zu der auch die Irinnen gehörten, die wir vorher überholt hatten. Die Gruppe wanderte den Jakobsweg jährlich in kleinen Abschnitten und immer mit unterschiedlicher Anzahl von Mitpilgern, dieses Mal waren es 18. Die Mitglieder kamen aus allen Altersgruppen, sogar eine 80-jährige war dabei, die ganz vorne mitlief, wie uns gesagt wurde.
Uns wurde ein Pilgerpaar vorgestellt, das uns ganz stolz davon erzählte, dass ihre Füße in Hape Kerkelings Film „Ich bin dann mal Weg” zu sehen seien. Sie wurden auf einer ihrer früheren Reisen auf dem Jakobsweg von Kerkelings Kamerateam vor den Klosterruinen von San Anton angesprochen und gebeten einmal durch die Kamera zu laufen, um ihre Füße zu filmen und später im Film zu verwenden. Seitdem erzählten sie jedem deutschen Pilger davon, den sie auf dem Weg trafen, und wir versprachen, uns die entsprechende Szene noch einmal genau anzuschauen.
Auf dem weiteren Weg kamen wir an einer kleinen Kirche vorbei und wurden von einem älteren Mann hineingewunken. Innen war eine kleine Herberge eingerichtet worden, der Altarraum war frei gelassen worden, in der Mitte des Raumes stand ein langer Tisch und am hinteren Ende standen einige Stockbetten.


Hier trafen wir drei Pilgerinnen aus Taiwan, die sich an dem gereichten Kaffe und Brot bedienten und sich eine Weile ausruhten. Wir legten auch eine kurze Pause ein und machten uns dann wieder auf den Weg.
Um Punkt 15:00 Uhr hörten wir die Glocken von Boadilla del Camino. Wir begaben uns zur ausgesuchten Herberge, deren Restaurant schon gut besucht war. Dort wurden wir von einem sehr netten Hospitalero begrüßt, der die Herberge zusammen mit seiner Mutter leitete. Er sprach auch ein wenig deutsch, war sehr fröhlich und hatte immer einen lustigen Spruch auf Lager.
Abends gab es in der großen Runde mit allen Pilgern in der Herberge in einem großen Essensraum Abendessen. Danach ging es in unser 7-Mann-Zimmer, in dem allerdings nur 4 untergebracht waren, alle konnten unten schlafen.