Jakobsweg 2019

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15. April 2019

Tag 14 - 13. Etappe

32 km von Burgos nach Hontanas.


Heute morgen gab es direkt zwei weitere Überraschungen. Zum einen waren morgens auf einmal doch viele andere Leute im Essenssaal, darunter auch zwei deutsche Pilgerinnen, und zum anderen gab es neben dem typisch spanischen Frühstück auch Müsli. Der Tag fing schon mal gut an. Da es das Frühstück erst ab 7:00 Uhr gab, begannen wir die Etappe nach Hontanas erst gegen 8:00 Uhr, ca. eine Stunde später als sonst.


Die Etappe führte zu Beginn erstmal ein langes Stück durch Burgos. Auf dem Weg passierten wir einige weitere Statuen.

Heute waren auch viele andere Pilger unterwegs, wahrscheinlich weil es schon später war. Als wir uns auf einer Bank ausruhten, gesellten sich zwei weitere deutsche Pilgerinnen zu uns, die wir vorher ebenfalls noch nie getroffen hatten. Unter den vielen Pilgern, die in dieser Zeit an uns vorbeiliefen, sahen wir auch Brian und ein amerikanisches Pilgerpaar, das wir auch in Los Arcos kennengelernt hatten.


Auf dem weiteren Weg trafen wir eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von Pilgern, aus Deutschland, Holland, Indien und noch einigen anderen Ländern. Gemeinsam mit ihnen und den beiden deutschen Pilgerinnen, die wir bei unserer Pause kennengelernt hatten, machten wir in Tardajos halt, um nochmal etwas zu essen.


Nach dem nächsten Ort, Rabé de las Calzadas, sollte die Meseta beginnen, eine Wüste wie mir erklärt wurde. Am Ortsausgang sah es aber nicht wirklich nach Wüste aus, die zu sehenden Hügel waren alle noch grün mit Gras bewachsen. Dafür stand hier aber eine Scheune, auf deren Seite ein schönes Gemälde zur Schöpfungsgeschichte gemalt worden war.

Über viele Hügel ging es stetig bergauf, auf jeder Hügelkuppe erwartete ich, eine karge Wüstenlandschaft zu sehen, doch wurde jedes mal „enttäuscht”. Das einzige, was hier einer Wüste glich, war, dass es wieder auf langen Strecken keine Orte, Brunnen oder gar Bänke gab. Nach einiger Zeit waren wir wieder oben auf einer Ebene, die wir wieder ein gutes Stück entlang gingen. Am Ende hatte man einen super Ausblick in ein Tal, in dem das kleine Dorf Hornillos del Camino lag.

Dieses kleine Dorf bestand aus einigen alten Häusern aus Sandstein, die meisten schienen schon auseinanderzufallen und nur von vielen Stützen und anderen Hilfsmitteln zusammengehalten zu werden. Hier gab es zwar viele Herbergen, aber unser heutiges Etappenziel Hontanas lag noch ca. 10 km entfernt.


Also ging es wieder aus Dorf und Tal hinaus, wieder den Berg hoch auf eine weitere Ebene. Nach einer Weile sahen wir vor uns dunkle Gewitterwolken, obwohl es den ganzen Tag so gut wie keine Wolken und strahlenden Sonnenschein am Himmel gab. Wir hatten gerade noch genug Zeit um unsere Regenponchos anzuziehen, als es auch schon anfing zu regnen. Und dieser Regen erinnerte dann doch wieder an eine Wüste, wenn es mal regnet, dann richtig. Es schüttete wie aus Eimern und da wir unsere Gamaschen nicht anhatten, waren bald unsere Hosen durchnässt, und die Schuhe voller Wasser. Mittlerweile donnerte und blitzte es auch und für eine kurze Zeit fielen auch dicke Hagelkörner vom Himmel, die hart auf Kopf, Hände und gegen unsere Beine schlugen.


In einer kleinen Talsenke fanden wir dann „Schutz” unter dem kleinen Dach einer Informationstafel, die uns wenigstens größtenteils vor dem Wind schützte. Ein wenig später sahen wir zwei Personen durch den Regen kommen, die wir schon hinter uns gesehen hatten, als wir unsere Ponchos angezogen hatten. Es war ein Pilgerpaar aus Irland, das sich auch noch zu uns unter das kleine Dach quetschte.


Nachdem das Gewitter ein wenig weitergezogen war und der Regen etwas nachgelassen hatte, entschieden wir uns weiterzugehen, da wir eh nicht mehr trockener werden würden. Mit den Schuhen randvoll mit eiskaltem Wasser watschelten wir also wieder den Berg hinauf. Auf dem Weg aus der Talsenke kam uns das Wasser in Bächen links und rechts des Weges entgegengeflossen. Oben wieder auf der Ebene angekommen mussten wir feststellen, dass der Regen den restlichen Weg in die reinste Matschspur verwandelt hatte, genau so wie es uns der Australier gestern abend prophezeit hatte. Als krönenden Abschluss dieses ganzen Desasters kam dann natürlich noch ein Abstieg nach Hontanas, der ebenfalls komplett matschig und rutschig war und ordentlich die Knie strapazierte.


In Hontanas angekommen wollten wir eigentlich in ein Hotel in der Mitte des Ortes, da wir dort auf einen Heizkörper im Zimmer hofften, um unsere ganze Ausrüstung, vor allem die Schuhe, wieder trocken zu kriegen. Nach zweimaligem Klingeln an der Hoteltür kam eine Frau den Berg hinuntergelaufen, aus der Richtung aus der wir gerade kamen, und teilte uns mit, dass im Hotel schon alles belegt sei, dass sie aber in ihrer Herberge noch ein Doppelzimmer frei hätte. Anscheinend gehörten Hotel und Herberge irgendwie zusammen, sodass sie oben in der Herberge ein Signal durch unser Klingeln erhalten hatte. Also ging es mit immer noch randvollen Schuhen wieder den Berg hoch zu besagter Herberge.


Die Herberge war an den Berg gebaut und bestand aus vielen kleinen Zimmern, die sich auf verschiedenen Ebenen befanden. Über verwinkelte Hinterhöfe, Terrassen und Treppen wurden wir nach oben zu unserem Zimmer geführt. Nach dem eiskalten Wasser in meinen Schuhen freute ich mich schon auf eine warme Dusche, Füße und Beine kalt abduschen konnte ich heute überspringen. Das Problem war, dass das Wasser aus dem Duschkopf gar nicht richtig warm wurde und nach kurzer Zeit wurde auch dieses eiskalt, sodass ich den Duschvorgang vorzeitig abbrach. Als ich wieder in unser Zimmer kam, ein kleiner Raum mit zwei Betten und zum Glück einem Heizkörper, musste ich mit Entsetzen feststellen, dass auf der einen Seite des Raumes Wasser im Raum stand und schon unter eines der Betten lief. Wir hofften, dass es nicht durch die Decke oder die Wand geregnet hatte, denn das könnte bei erneutem Regen oder Gewitter zu weiteren Problemen führen.


Unsere Schuhe stellten wir, nachdem wir sie von dem ganzen Matsch befreit hatten, auf den Heizkörper in unserem Zimmer und nutzen für weitere nasse Ausrüstung auch gleich noch den Heizkörper vor unserer Zimmertür im Flur mit.

Hier gab es ein erneutes Problem: Die Heizung wurde nicht warm, obwohl wir sie komplett aufgedreht hatten, da sie anscheinend entweder zentral von der Herberge oder über ein Thermostat geregelt wurde. Also überlegten wir uns schon einmal Notfallpläne, falls die Schuhe am nächsten morgen nicht trocken sein sollten. Mit Plastiktüten um die Füße in die noch nassen Schuhe, mit Crocs oder Badelatschen die nächste Etappe laufen, oder die nächste Etappe per Bus zurücklegen und die Schuhe in der nächsten Herberge weitertrocknen. Mitten in diesen Überlegungen sprang der Heizkörper dann doch an und nun hieß es hoffen, dass er auch die ganze Nacht anbleiben würde.


Zum Abendessen begaben wir uns in den kleinen Essensraum der Herberge, auf dem Weg dorthin trafen wir Brian und das amerikanische Pilgerpaar, die auch alle drei vom Gewitter erwischt worden waren. Beim Abendessen saßen wir zusammen mit einem Engländer und einer Pilgerin aus Slowenien an einem Tisch. Gesprächsthema Nummer 1 war natürlich das Gewitter, aber wir redeten auch noch über andere Dinge.


Vor dem Schlafengehen schaute ich noch kurz nach, was die „Wüste Meseta” denn jetzt eigentlich war. Als Iberische Meseta wird das im Zentrum der Iberischen Halbinsel gelegene spanische Hochland bezeichnet. „Wüste” bezog sich also tatsächlich nur darauf, dass es wieder über weite Strecken nichts gab, und nicht darauf, dass hier nichts wächst. 

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