Jakobsweg 2019

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3. April 2019

TAG 2 - 1. Etappe

27 km von Saint-Jean-Pied-de-Port nach Roncesvalles über die Pyrenäen.


Der Tag begann nach eher unruhigem Schlaf meinerseits mit einem leckeren Frühstück in Gesellschaft anderer Pilger aus unserer Pension.

Allerdings lief dieses Frühstück in nahezu absoluter Stille ab, da anscheinend die meisten um 7 Uhr morgens noch zu müde oder aber schon mit Gedanken auf ihrer (wahrscheinlich) ersten Etappe waren.


Als wir die Pension um ca. 8:20 verließen, waren alle anderen Pilger schon verschwunden, wir hatten schon Angst, dass wir in der nächsten Herberge keine Unterkunft mehr finden würden, weil wir später als alle anderen kommen würden.

Nachdem ich den Zorn einer älteren Dame auf mich gezogen hatte, weil ich meine Wanderstöcke an ihren offenen Fensterladen gelehnt hatte, ging es mit eben diesen und einem Regenponcho über Körper und Rucksack in Richtung der Pyrenäen. Denn der Regen aus Paris hatte uns anscheinend über Nacht eingeholt, und sollte uns heute einige Probleme bereiten.


Nun standen wir vor der Entscheidung:

Nehmen wir den „roten”, schwereren Weg direkt über die Pyrenäen, mit 1400 Höhenmetern, oder den „grünen”, etwas leichteren Weg, der durch ein weniger hohes „Tal” (1000 Höhenmeter) in den Pyrenäen, entlang der Straßen, führt?

Obwohl wir am Vortag im Pilgerbüro schon davor gewarnt worden waren, dass es wahrscheinlich regnen würde und deshalb in den Pyrenäen, auf dem roten Weg, schneien und auch sehr kalt und dadurch eventuell auch gefährlich sein würde, nahmen wir das Risiko in Kauf und entschieden uns für diesen Weg, da wir gehört hatten, dass dieser Weg sehr interessant sein und viele schöne Aussichten bieten sollte.


Auf dem Weg aus dem Dorf, kam uns ein Fahrzeug entgegen und der Fahrer ermahnte uns, dass wir nicht zu langsam laufen sollten, da um 14 Uhr ein „Schneesturm” beginnen würde, der es unmöglich mache, über die Pyrenäen zu gelangen. Auf dem Weg die Berge hinauf gesellte sich ein streunender Hund zu uns und begleitete uns eine Weile, bis wir von der Straße auf einen Feldweg abbogen.

Einige Zeit später erreichten wir die Nebelschwaden, die wir schon von weiter unten am Berg gesehen hatten und die unsere Sicht jetzt auf wenige Meter beschränkte.

Allerdings konnten wir immer noch genug sehen um am Straßenrand einige frei grasende Pferde zu erblicken.

Hier trafen wir auch auf die erste Mitpilgerin, die uns sagte, dass sie nur bis Orisson laufen würde, da der weitere Weg wegen Schnee gesperrt sei. Als wir in Orisson ankamen, eine einzelne Herberge bestehend aus einem kleinen Haus mit 28 Betten, stellten wir fest, dass diese noch nicht geöffnet hatte und dass gerade drei andere Pilger den Ort der Herberge verlassen hatten. Wir legten eine kleine Verschnaufpause ein, aßen eine Banane, füllten Wasser nach und machten uns dann auch wieder auf den Weg.


Über den gesamten Weg hinweg waren Kilometermarkierungen auf die Straße gezeichnet und bei der 10 km-Markierung sahen wir zum ersten mal den prophezeiten Schnee auf einer Bergkuppe.

Einige Zeit später holten wir die drei Pilger, zwei Italiener und eine Schweizerin, ein, die vor uns Orisson verlassen hatten, weil diese an einer Weggabelung standen und nach einem gelben Pfeil suchten, der den weiteren Weg angab. Wir wussten allerdings, dass der gelbe Pfeil erst in Spanien die Richtung angibt. Da wir noch in Frankreich waren musste man nach rot-weißen Markierungen Ausschau halten, die auch schnell gefunden wurden.

Gemeinsam, nun als Gruppe von 5, erklommen wir also weiter die Pyrenäen. Auf den Bergkuppen wehten ziemlich starke Winde, die den Schnee, der wieder eingesetzt hatte, parallel zum Weg fliegen ließ.

Ein ganzes Stück weiter kamen wir zur Rolandsquelle, an der mein Vater und ich erneut eine Pause einlegten, um etwas zu essen, zu trinken und die Flaschen aufzufüllen, während die anderen drei schon mal weitergingen.

Es schneite zwar im Moment nicht mehr, aber mittlerweile schmerzten meine Beine und vor allem unsere Rücken/Schultern wegen den ungewohnt großen Rucksäcken.


Als wir uns wieder auf den Weg machten, begann es erneut leicht zu schneien und der Weg der vor uns lag war auch schon verschneit, sodass man alle paar Schritte tief in den Schnee einsank. Der Schneefall wurde auch immer stärker, sodass man nur noch schlecht sehen konnte wo man hinlief, und bald fiel uns auf, dass unsere Hände, die die ganze Zeit unsere Wanderstöcke fest umklammert hielten, eiskalt waren, obwohl wir Handschuhe anhatten. Um die schmerzenden und unbeweglichen Finger wieder warm zu bekommen musste eine Notlösung her, also Handschuhe aus, Stöcke unter einen Arm geklemmt und die Hände in die hoffentlich warmen Hosentaschen. Dies funktionierte sogar ziemlich gut und bald ließ auch der Schneefall nach.


Bald traten wir aus einem Wald heraus auf eine weitere Bergkuppe, auf der eine kleine Hütte stand, die einzige Hütte auf dem gesamten Weg, nicht mal eine Bank gab es. Hier erwarteten uns schon unsere drei Mitpilger und einer der Italiener begrüßte uns mit den Worten „Wenn die Deutschen kommen, kommt die Sonne auch wieder raus” und einem breiten Ginsen im Gesicht.


Nun mussten wir noch den restlichen Weg bis zum höchsten Punkt zurücklegen, ab dem es nur noch bergab nach Roncesvalles ging.

Dort angekommen zweigte sich der Weg erneut in einen „roten”, steileren Weg, der direkt zum Zielort führte und einen „grünen”, in Serpentinen verlaufenden Weg. Dieses mal entschieden wir uns für den sichereren Weg, da wir schon ziemlich erschöpft waren und das Risiko lieber nicht eingehen wollten, während unsere Gefährten nur den Schildern folgten und den steilen Weg hinunterliefen. Wir kamen dann zwar etwas später, schon wieder bei Schneefall, aber sicher in Roncesvalles an.


Roncesvalles ist eigentlich ein Ort nur für Pilger, es gibt ein Kloster/Refugium, eine Kirche und drei Restaurants, keine Läden um Proviant für den nächsten Tag zu kaufen. Wir entschieden uns die Nacht im Kloster zu verbringen. Dieses bestand aus 3 Etagen, jeweils ein großer Raum mit ca. 70 Betten. Aber hier konnten wir auch unsere Wäsche waschen und erhielten ein für 10€ überraschend gutes 3 Gänge Abendessen, bei dem wir Bekanntschaft mit zwei Mitpilgerinnen, einer Holländerin und einer Belgierin, machten und nette Gespräche mit ihnen führten.

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